Eltern unter Druck: Schuldgefühle, Kita-Probleme und steigende Kosten

Autor: Eltern-Echo Redaktion

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Kategorie: News

Zusammenfassung: Eltern leiden unter Schuldgefühlen, Betreuungsproblemen und hohen Erwartungen; zugleich sorgen marode Spielplätze, Kita-Mängel und familiäre Konflikte für zusätzlichen Druck.

Eltern zwischen Schuldgefühlen, Betreuungsproblemen und hohen Erwartungen

Psychologie: Warum sich viele Eltern nicht gut genug fühlen

Viele Eltern kennen Schuldgefühle, wenn sie laut geworden sind, das Kind zu lange vor dem Fernseher saß oder zu wenig gemeinsame Zeit geblieben ist. Wie die WELT berichtet, erklärten der Psychologieprofessor Tobias Luck von der Fachhochschule Erfurt und die Familienbegleiterin Inke Hummel, warum solche Selbstvorwürfe entstehen und wie Eltern damit umgehen können.

Tobias Luck bezeichnet Schuld als eines der unangenehmsten Gefühle. Zugleich habe sie grundsätzlich eine soziale Funktion: Wer erkenne, etwas falsch gemacht zu haben, könne daraus lernen, sein Verhalten ändern und damit den Zusammenhalt in der Gruppe stärken. Laut einer von Luck durchgeführten Online-Befragung hat sich rund ein Drittel der Eltern schon einmal wegen etwas schuldig gefühlt. Bei Müttern sei dieser Anteil deutlich höher als bei Vätern.

Als einen Grund nennt der Psychologe die widersprüchlichen Erwartungen an die Mutterrolle. Mütter sollten fürsorglich sein und zugleich karriereorientiert handeln. Außerdem verbrächten sie häufig mehr Zeit mit den Kindern, wodurch es mehr Gelegenheiten für Selbstvorwürfe gebe.

Zusätzlichen Druck erzeugten die hohen Ansprüche an eine Erziehung auf Augenhöhe. Eltern müssten sich fragen, welche Konflikte noch normal seien und ab wann ein Verhalten übergriffig werde. Neben der Familie wirkten heute Erziehungsratgeber und soziale Medien auf die Eltern ein. Inke Hummel berichtet von verunsicherten Frauen, die durch einzelne Inhalte in einem Reel an ihrer Erziehung zweifelten.

Die Folgen anhaltender Schuldgefühle können erheblich sein. Nach Angaben der WELT bedrohen Schuldgefühle den Selbstwert und können zu einer negativen Sicht auf die eigene Person führen. Wer sich dauerhaft schuldig fühle, neige außerdem zu weiteren psychischen Problemen wie Depressionen.

Die Experten empfehlen, Erwartungen realistisch einzuordnen und bei Bedarf eine fachlich qualifizierte Beratungsstelle aufzusuchen. Gespräche mit Freunden könnten helfen, wieder das gesamte Bild wahrzunehmen, statt sich nur auf die zehn Prozent zu konzentrieren, die nicht gut liefen. Wenn sich ein Fehler korrigieren lasse, sollten Eltern das Gespräch suchen und sich entschuldigen.

Gleichzeitig müsse nicht jede Kleinigkeit ausführlich verarbeitet werden. Tobias Luck zufolge könne in manchen Fällen auch Verdrängung helfen, weil das Gehirn den eigenen Selbstwert erhalten wolle und die Zeit zur Selbstheilung beitragen könne. Eltern sollten zudem prüfen, welche Stimmen und Meinungen sie in ihr Leben lassen, und sich gegenüber verunsichernden Einflüssen abgrenzen.

„Absolutheitsanspruch ist ein großes Problem. Wenn man nur darauf schaut, was nicht geklappt hat, kann man nur scheitern“, sagt Tobias Luck laut WELT.

Infobox: Schuldgefühle gehören laut den zitierten Experten zum menschlichen Erleben und können grundsätzlich eine hilfreiche Funktion haben. Problematisch werden sie, wenn sie dauerhaft bestehen, den Selbstwert belasten und Eltern in ihrer Sicherheit beeinträchtigen.

Nienburg: Eltern kritisieren den Zustand der Spielplätze

In Nienburg schlagen Eltern wegen des Zustands der Spielplätze Alarm. Wie DIE HARKE berichtet, halten sie die Stadt für wenig kinderfreundlich und kritisieren, dass sich fast alle Spielplätze in schlechtem Zustand befänden.

Auch das Wesavi werde nach Darstellung der Eltern seinem Anspruch nicht gerecht. Die Kritik richtet sich damit nicht nur gegen einzelne beschädigte Anlagen, sondern gegen die grundsätzliche Frage, welchen Stellenwert Kinder und familienfreundliche Angebote in der Stadt haben.

Die Zeitung zitiert die zugespitzte Frage: „Was ist das für eine Stadt, die so wenig für ihre Kinder übrig hat?“ Die Stadtverwaltung reagiert dem Bericht zufolge auf die Vorwürfe.

Infobox: Eltern aus Nienburg bemängeln marode Spielplätze und fehlende Kinderfreundlichkeit. Auch das Wesavi wird in die Kritik einbezogen; die Stadtverwaltung nimmt zu den Vorwürfen Stellung.

Schwangerschaft sorgt für Konflikt mit den Großeltern

Eine werdende Mutter ist enttäuscht, weil ihre Schwiegereltern auf die Nachricht von der Schwangerschaft nicht mit Freude, sondern mit Betroffenheit reagierten. Die Frankfurter Rundschau berichtet über den Fall einer 39-Jährigen, die ihre Erfahrung im deutschsprachigen Subreddit r/Ratschlag schilderte.

Die Frau und ihr 42-jähriger Freund erwarten ein Kind. Als sie die Nachricht den Eltern des Partners mitteilten, wirkten diese laut der Schilderung eher nachdenklich. Die Reaktion habe bei der werdenden Mutter den Eindruck ausgelöst, dass sich die Großeltern über das fünfte Enkelkind eher als über eine weitere Verpflichtung sähen.

Der Freund hat zwei Geschwister, die zusammen vier Kinder haben. Die beiden jüngsten dieser Kinder seien erst im vergangenen halben Jahr geboren worden. Für die bisherigen Enkel hätten die Großeltern Geld angelegt und Teile der Erstausstattung, darunter Kinderwagen, finanziert. Für die anderen Familien hätten sie zuletzt noch größere Anschaffungen übernommen.

Nach Einschätzung der Verfasserin war für ein fünftes Enkelkind weder finanziell noch emotional Platz eingeplant. Sie und ihr Partner seien finanziell gut aufgestellt und benötigten keine Unterstützung, hätten dies den Schwiegereltern auch mitgeteilt. Dennoch fühlten sich die Großeltern offenbar verpflichtet, weil sie die anderen Geschwister ebenfalls unterstützt hatten.

Die Frau beschreibt die Situation als belastend, weil das schlechte Gefühl, der Nachwuchs könne der „unbeliebte fünfte Enkel on top“ sein, die Freude auf das Baby überlagere. In der Kommentarspalte versuchten Nutzerinnen und Nutzer, die Reaktion der Großeltern einzuordnen. Einige vermuteten finanzielle Sorgen oder Scham, weil die Großeltern alle Enkel gleich behandeln wollten.

„Nicht die Kohle macht die Großeltern – das Herz tut das!“, lautet ein Kommentar, den die Frankfurter Rundschau wiedergibt.

Die Diskussion lenkt den Blick auf Erwartungen in der Großeltern-Enkel-Beziehung. Die Kommunikationsberaterin DeeDee Moore schreibt laut Bericht, Eltern wünschten sich vor allem Großeltern, die sich über das Enkelkind freuten, Meilensteine feierten und über kleine Fehler ihrer erwachsenen Kinder hinwegsehen könnten.

Moore empfiehlt, frühzeitig zu fragen, was den Eltern wichtig ist. Dadurch könnten unausgesprochene Erwartungen geklärt und Entfremdung vermieden werden. Ob sich die Situation im konkreten Fall entspannt, bleibt offen; einige Kommentierende raten den werdenden Eltern, den Schwiegereltern Zeit zu geben.

Infobox: Die werdenden Eltern benötigen nach eigener Aussage keine finanzielle Unterstützung. Der Konflikt entstand vor allem durch die verhaltene Reaktion der Großeltern und die Sorge, das fünfte Enkelkind könne weniger willkommen sein.

Ludwigshafen: Eltern melden Ratten und defekte Spielgeräte in Kita

In einer katholischen Kita im Ludwigshafener Hemshof beklagen Eltern mehrere Missstände. Nach Angaben der Rheinpfalz wandte sich der Elternausschuss der Kita St. Dreifaltigkeit in der Sommerpause mit einem Hilferuf an die Zeitung.

Eine Sprecherin des Elternausschusses zählt dem Bericht zufolge mehrere Probleme auf. Dazu gehören Ratten und defekte Spielgeräte. Auch fehlender Hitzeschutz wird kritisiert, wobei dieser in der Einrichtung nur eines von mehreren gravierenden Problemen sei.

Bereits im Juni hatten Eltern einer Kita in Oggersheim auf zu wenig Hitzeschutz hingewiesen. Die Vorwürfe aus dem Hemshof gehen laut Rheinpfalz darüber hinaus und betreffen sowohl die Sicherheit und Nutzbarkeit der Spielgeräte als auch die Bedingungen in der Einrichtung.

Infobox: Der Elternausschuss der Kita St. Dreifaltigkeit berichtet von Ratten, defekten Spielgeräten und fehlendem Hitzeschutz. Die Rheinpfalz ordnet die Kritik in eine bereits im Juni begonnene Debatte über den Hitzeschutz in Kitas ein.

Hofer Land: Wegfall des Kita-Zuschusses kann Eltern stärker belasten

Im Hofer Land sorgt eine Änderung der staatlichen Kita-Förderung für Diskussionen. Wie die Frankenpost berichtet, fällt die bisherige Ermäßigung von 100 Euro für Elternbeiträge bald weg; im Gegenzug erhalten Kommunen und Träger mehr Geld vom Freistaat.

Für Eltern kann das nach Darstellung der Zeitung zu höheren Zahlungen führen. Ein Beispiel des Geschäftsführers des evangelischen Kita-Verbands Hochfranken, Erwin Strama, betrifft eine tägliche Betreuungszeit von sechs bis sieben Stunden: In einem Kindergarten werden dafür 260 Euro im Monat abgerechnet. Durch den bisherigen Elternbeitragszuschuss des Freistaats zahlen Eltern aktuell effektiv 160 Euro.

Nach der Gesetzesänderung, also ab 1. Januar, müssten Eltern in dem genannten Beispiel laut Strama 260 Euro zahlen. Mit diesem Rechenbeispiel beschäftigten sich derzeit sämtliche Kommunen, alle Kita-Träger und sehr viele Eltern im Hofer Land.

BetreuungszeitMonatlicher Beitrag
täglich sechs bis sieben Stunden260 Euro

Infobox: Die bisherige Ermäßigung von 100 Euro für Elternbeiträge fällt laut Frankenpost weg. Im genannten Beispiel steigt der von Eltern zu zahlende Betrag von aktuell effektiv 160 Euro auf 260 Euro ab 1. Januar.

Erziehung: Warum ein erzwungenes „Entschuldigung“ nicht ausreicht

Nach einem Streit auf dem Spielplatz fordern viele Eltern von ihrem Kind sofort eine Entschuldigung. mz.de berichtet jedoch, dass Experten davon abraten, Kinder zu einem bloßen „Sorry“ zu zwingen, weil dadurch weder echte Empathie noch ein nachhaltiges Verantwortungsgefühl entstehe.

Kleine Kinder handelten häufig impulsiv. Sie schubsten etwa ihre Schwester oder rissen einem anderen Kind die Sandschaufel aus der Hand. Ihre Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen, müsse sich erst entwickeln; oft verstünden sie noch nicht, welche Gefühle ihr Verhalten auslöse.

Eltern sollten deshalb zunächst darauf hinweisen, dass das andere Kind traurig sei, und fragen: „Wie würdest du dich fühlen, wenn dir das passiert wäre?“ Weitere Anregungen könnten sein: „Willst du mal schauen, wie es dem Jungen jetzt geht?“ oder „Vielleicht möchtest du ihm sagen, dass du nicht wolltest, dass der Ball ihn trifft.“

Ist das Kind noch nicht bereit, sollten Eltern ihm Zeit geben. Ein Gespräch könne auch später stattfinden. Entscheidend sei außerdem nicht zwingend, dass das Wort „Entschuldigung“ ausgesprochen werde. Wenn ein Kind beispielsweise dabei helfe, eine zerstörte Sandburg wieder aufzubauen, übernehme es Verantwortung und mache den Schaden wieder gut.

Eltern sollten ein solches Verhalten loben. Darüber hinaus lernten Kinder durch Nachahmung. Wenn Eltern selbst die Gefühle anderer wahrnähmen und sich aufrichtig entschuldigten, auch beim eigenen Kind, sei dies eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung von Empathie.

Infobox: Laut mz.de soll eine Entschuldigung nicht als leere Floskel erzwungen werden. Im Mittelpunkt stehen Verständnis für die Gefühle anderer, die Übernahme von Verantwortung und eine konkrete Wiedergutmachung.

Quellen: