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Eltern fühlen sich bei der Ferienbetreuung oft alleingelassen
Eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsunternehmens Civey im Auftrag des Sozialverbands Deutschland (SoVD) zeigt, dass mehr als zwei Drittel (70,7 Prozent) der Eltern mit Kindern unter 18 Jahren das Angebot an Betreuungsmöglichkeiten für Schul- und Kitakinder in den Ferien als „eher zu klein“ oder „eindeutig zu klein“ empfinden. Lediglich ein Viertel der Eltern hält das Ferienbetreuungsangebot für „genau richtig“. Besonders auffällig ist der Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschland: Während im Osten fast die Hälfte der Eltern (45,5 Prozent) das Angebot als „genau richtig“ bezeichnet, sind es im Westen nur 19,5 Prozent.
Die Umfrage ergab zudem, dass knapp die Hälfte der Eltern (48,5 Prozent) mehr als 50 Prozent ihres Jahresurlaubs für die Betreuung ihrer Kinder in den Ferien aufwenden muss. Über ein Drittel der Befragten gab sogar an, mehr als 75 Prozent ihres Urlaubs dafür zu verwenden. Nur ein Viertel der Eltern muss keinen Urlaub für die Kinderbetreuung nehmen. Der SoVD sieht darin ein strukturelles Problem, da dem durchschnittlichen Jahresurlaub von sechs Wochen rund 13 Wochen Ferienzeit der Kinder gegenüberstehen. Besonders Alleinerziehende sind laut SoVD-Vorstandschefin Michaela Engelmeier stark betroffen, da sie die Betreuung nicht aufteilen können und oft keine alternativen Lösungen haben. Der Verband fordert daher Investitionen in soziale Infrastruktur, insbesondere in Ferien- und Ganztagsbetreuung, sowie attraktivere Arbeitsbedingungen im Bildungs- und Sozialbereich.
„Eltern schätzen gemeinsame Zeit mit ihren Kindern. Doch sie darf nicht zur alleinigen Lösung für Betreuungslücken werden. Viele müssen nahezu ihren gesamten Urlaub dafür einsetzen, weil es an ausreichenden und bezahlbaren Betreuungsangeboten fehlt“, so Michaela Engelmeier, SoVD-Vorstandschefin.
Aspekt | Ostdeutschland | Westdeutschland |
---|---|---|
Zufriedenheit mit Betreuungsangebot („genau richtig“) | 45,5 % | 19,5 % |
Eltern, die mehr als 50 % ihres Urlaubs für Betreuung nutzen | 48,5 % (bundesweit) | |
Eltern, die mehr als 75 % ihres Urlaubs für Betreuung nutzen | über 33 % (bundesweit) |
Infobox: Die Mehrheit der Eltern sieht das Ferienbetreuungsangebot als unzureichend an. Besonders im Westen ist die Unzufriedenheit groß. Viele Eltern müssen einen Großteil ihres Urlaubs für die Betreuung ihrer Kinder aufwenden. (Quelle: Berliner Morgenpost)
Elternverbände: Zu viele Ferientage als zentrales Problem
Im Streit um die Verteilung der Sommerferien betont der Bayerische Elternverband (BEV), dass nicht der Zeitpunkt, sondern die hohe Anzahl der Ferientage das eigentliche Problem für viele Eltern darstellt. Florian Eschstruth, BEV-Vertreter im Bundeselternrat, erklärte, dass die Diskussion über den Ferienzeitpunkt aus Sicht der Mitglieder überflüssig sei. Vielmehr sei die Betreuungsproblematik aufgrund der vielen Ferientage das größere Problem. Auch der Bundeselternrat sieht massive Schwierigkeiten für Eltern in der Ferienbetreuung und betont, dass vielerorts verlässliche Betreuungsangebote fehlen. Für viele Familien sei die Ferienzeit die schwierigste Zeit des Jahres.
Die Bundesschülerkonferenz lehnt eine Reduzierung der Ferientage für Schülerinnen und Schüler ab. Quentin Gärtner, Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz, betont, dass das Betreuungsproblem real sei, aber weniger Ferientage die falsche Lösung wären. Stattdessen fordert er qualitativ und pädagogisch hochwertige Ferienbetreuung, beispielsweise durch Kooperationen von Schulen mit Jugendzentren, Sportvereinen oder anderen außerschulischen Partnern.
„Ferien sind keine Randnotiz im Kalender, sondern für viele Familien die schwierigste Zeit des Jahres.“ (Aline Sommer-Noack, Bundeselternrat)
- Eltern im Osten Deutschlands sind mit dem Betreuungsangebot zufriedener (45,5 Prozent „genau richtig“) als im Westen (19,5 Prozent).
- Knapp die Hälfte der Eltern (48,5 Prozent) muss mehr als 50 Prozent ihres Jahresurlaubs für die Betreuung aufwenden.
- Mehr als ein Drittel der Eltern setzt sogar mehr als 75 Prozent des Urlaubs ein.
Infobox: Elternverbände sehen die hohe Zahl der Ferientage als Hauptursache für Betreuungsprobleme. Eine Reduzierung der Ferientage wird jedoch abgelehnt, stattdessen werden bessere Betreuungsangebote gefordert. (Quelle: Ntv)
Ganztagsbetreuung an Grundschulen: Neue Regelungen ab 2026
Ab dem Schuljahr 2026/27 haben Eltern einen Rechtsanspruch auf eine Offene Ganztagsbetreuung ihrer Kinder in der ersten Klasse. Das Land Schleswig-Holstein plant, dass ab dem 1. August 2026 ein achtstündiges Betreuungsangebot an fünf Werktagen in der Schule gewährleistet werden muss. Grundschulen dürfen maximal an vier Wochen in allen Schulferien ohne Betreuung schließen. Der Rechtsanspruch wird jährlich um eine weitere Klasse erweitert, sodass ab dem Schuljahr 2029/30 alle Kinder von der ersten bis vierten Klasse diesen Anspruch haben.
Die Schulträger erhalten 75 Prozent der Personalkosten für das Ganztagsangebot erstattet. Für die Sachausstattung wird eine pauschale Förderung gewährt. Bestehende Offene Ganztagsangebote dürfen fortgeführt werden, und bereits genehmigte Mitarbeiter können übernommen werden. Erst zum Schuljahr 2030/31 müssen Schulen mit Offener Ganztagsschule ein überarbeitetes pädagogisches Konzept vorlegen.
Jahr | Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung |
---|---|
2026/27 | 1. Klasse |
2027/28 | 1. und 2. Klasse |
2028/29 | 1. bis 3. Klasse |
2029/30 | 1. bis 4. Klasse |
- Ganztagsbetreuung: 8 Stunden an 5 Werktagen
- Maximal 4 Wochen Schließzeit in den Ferien
- 75 Prozent Erstattung der Personalkosten für Schulträger
- Pauschale Förderung für Sachausstattung
Infobox: Ab 2026/27 besteht ein gestaffelter Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung an Grundschulen in Schleswig-Holstein. Die Finanzierung ist geregelt, und bestehende Angebote werden fortgeführt. (Quelle: shz.de)
Quellen:
- Bei der Ferienbetreuung fühlen sich Eltern oft alleingelassen
- "Wir haben ein anderes Problem": Eltern beziehen Stellung im Sommerferienstreit
- Grundschulen im Amt Schlei-Ostsee: Das müssen Eltern jetzt zum Ganztagsangebot wissen
- Wie Eltern ihre Kinder nach der Zeugnisausgabe stärken und Ferien sinnvoll nutzen können
- Die Hochzeit meiner Eltern
- „Ich hatte ein unwohles Gefühl“: Lars (26) zieht zurück zu seinen Eltern