Inhaltsverzeichnis:
Zwischen Display-Streit, Trauer und der Suche nach Halt: Der Pressespiegel für Familien
Wenn Kinder im Display-Alter ankommen
Quelle: Twitterperlen
Manuela Jungkind beschreibt bei Twitterperlen den Alltag mit Kindern, die digitale Medien für sich entdeckt haben. Was zunächst mit Hörbüchern und der „Sendung mit der Maus“ begann, entwickelte sich über YouTube, Onlinespiele und Minecraft-Podcasts zu einem dauerhaften Konflikt um Handys und Tablets.
Die Autorin schildert, wie sie ihren Kindern nur „kleine Portionen“ digitaler Unterhaltung erlauben möchte und darüber immer wieder diskutiert. Während sie sich wünscht, dass die Kinder basteln, Bälle werfen, hämmern, über Gräben springen oder auf einen Baum klettern, sehnen diese sich nach Medienkonsum. Die Geräte würden versteckt, während die Kinder internetfähige Geräte aufspürten; daraus entstehe ein „Teufelskreis“, den alle Beteiligten vorhersehbar weiter anheizten.
Jungkind stellt dabei auch ihre eigene Rolle infrage: Wer beruflich viel Zeit in sozialen Medien verbringt, könne als Elternteil widersprüchlich wirken, wenn er den Kindern digitale Zerstreuung verwehre. Dennoch wolle sie ihre Kinder noch „ein paar Minuten länger“ vor dem beschriebenen Medienangebot schützen.
Infobox: Der Beitrag beschreibt den familiären Streit zwischen dem Wunsch nach analogen Aktivitäten und der Faszination von YouTube, Onlinespielen, Minecraft-Podcasts, Handys und Tablets.
Trauer um Marius Dick und Hass gegen seine Eltern
Quelle: FAZ
Die FAZ berichtet über Elke und Thomas Dick aus Landstuhl, deren Sohn Marius Dick am Mittwoch, dem 15. Juli, in Trier getötet wurde. Der 22-Jährige wurde kurz vor zehn Uhr vormittags von einem 22 Jahre alten Afghanen mit einem Küchenmesser erstochen, nachdem er vom Einkaufen gekommen war.
Der Täter wurde gefasst und gestand die Tat, nannte jedoch kein Motiv. Die Staatsanwaltschaft geht nach einer Untersuchung durch einen Amtsarzt „vorläufig“ davon aus, dass der Beschuldigte psychisch krank ist; er wurde in einer forensischen Psychiatrie untergebracht, gegen ihn wird wegen Totschlags ermittelt.
Marius Dick studierte seit 2023 in Trier Geschichte im Hauptfach und Politikwissenschaften im Nebenfach. Im kommenden Jahr wollte er seinen Bachelor-Abschluss machen und anschließend in Potsdam einen Master in Militärhistorie beginnen. Seine Eltern schildern, wie sehr sie sich darauf gefreut hatten, dass ihr Sohn in ein eigenständiges Leben startete.
Im Wohnzimmer der Familie stehen weiterhin Gegenstände aus Marius’ Leben. Ein Sessel stammt aus seiner Studentenwohnung, sein schwarzer Corsa steht vor der Tür und ein Paket mit schwarz-weißen Vans in Größe 45 kam zwei Tage nach seinem Tod an. „Keine Ahnung, was ich damit machen soll“, sagt Thomas Dick laut FAZ.
Die Eltern wollten das Interview geben, weil sie hoffen, dass dadurch Veränderungen angestoßen werden und solche Taten künftig verhindert werden können. Elke Dick fragt: „Wie viele sollen denn noch sterben?“
Beide Eltern engagieren sich seit vielen Jahren kommunal in der CDU. Thomas Dick trat 2004 in die Partei ein, Elke Dick sitzt seit 17 Jahren im Stadtrat und ist ehrenamtliche Beigeordnete der Verbandsgemeinde Landstuhl. Nach dem Tod ihres Sohnes wurden sie wegen ihrer Parteimitgliedschaft und der Migrationspolitik der CDU angefeindet.
„Sie hat Blut an den Händen, sie ist selbst dran schuld“, zitiert Elke Dick Kommentare unter Zeitungsartikeln auf Facebook.
Die Eltern betonen, dass sie auf kommunaler Ebene keine Einflussmöglichkeit auf die Migrationspolitik hätten. Friedrich Merz rief die Familie einen Tag nach der Tat an. Elke Dick berichtet, er sei sehr ergriffen gewesen; Thomas Dick fordert zugleich, dass nun etwas passieren müsse.
Die FAZ beschreibt außerdem die politischen Forderungen des Vaters. Thomas Dick möchte, dass sich die Parteien, auch die AfD, zusammensetzen und gemeinsam nach Lösungen suchen. In Landstuhl habe die AfD bei der Europawahl 2024 32,4 Prozent erreicht.
Zum Beschuldigten heißt es, er sei laut Staatsanwaltschaft nicht vorbestraft gewesen. 2023 sei zweimal gegen ihn ermittelt worden: wegen des Führens eines E-Scooters ohne Versicherungsschutz und wegen eines verbotenen Schlagrings an seinem Schlüsselbund. Beide Verfahren wurden wegen geringer Schuld eingestellt.
Der Mann soll 2003 in Kabul geboren worden und 2015 nach Deutschland gekommen sein. Sein Asylantrag wurde im März 2017 abgelehnt, zugleich wurde für ihn als unbegleiteten minderjährigen Flüchtling ein Abschiebungsverbot festgestellt. Eine Niederlassungserlaubnis erhielt er im April 2023 nach einer umfassenden Sicherheitsprüfung.
Die Eltern wollen trotz ihrer Trauer weitermachen: in der CDU, im Tennisverein, im Stadtrat und in der Verbandsgemeinde. „Irgendwie muss das Leben weitergehen“, sagt Elke Dick laut FAZ.
Infobox: Die FAZ berichtet über die Trauer der Eltern, den Tod ihres Sohnes am 15. Juli in Trier, politische Forderungen zur Migrationspolitik und Hasskommentare gegen die Familie.
Das letzte Foto der Eltern
Quelle: BILD
BILD erzählt die Geschichte einer Tochter, die ihre Eltern an Weihnachten spontan vor der Haustür fotografiert. Zwei lächelnde Menschen stehen dabei in der Tür, während die Tochter bereits aus dem Auto ausgestiegen ist, um den Moment mit dem Handy festzuhalten.
Nach dem Besuch entwickelt die Tochter das Gefühl, dass dieses Foto ein Abschied sein könnte. Wenige Wochen später sterben beide Eltern. BILD widmet sich der Frage, ob Menschen spüren können, wenn die Kräfte ihrer Eltern zu Ende gehen.
Der Beitrag beschreibt, was die Tochter im Moment der Aufnahme ahnte und welche Bedeutung das Bild nach dem Tod der Eltern bekommt. Die vollständige Geschichte ist laut BILD im BILDplus-Angebot enthalten.
Infobox: Ein spontanes Weihnachtsfoto wird wenige Wochen später zur letzten Aufnahme der Eltern und zum Ausgangspunkt einer persönlichen Abschiedsgeschichte.
Warum Familien für ein Hotelzimmer 1000 Euro pro Nacht zahlen
Quelle: WELT
WELT berichtet über Familienhotels, die für gutverdienende Eltern zu einem neuen Statussymbol und Sehnsuchtsort werden. Im Mittelpunkt stehen Urlaubsangebote, für die Eltern heute 1000 Euro pro Nacht zahlen.
Das Konzept setzt laut WELT weniger auf klassische Luxusziele als auf familienorientierte Erlebnisse: „Dorf statt Dubai, Streichelzoo statt Splash-Park.“ Familienhotels sollen damit eine Umgebung schaffen, in der Eltern und Kinder gemeinsam Urlaub machen können und zugleich spezielle Angebote für Familien erhalten.
Der Beitrag stellt die hohen Ausgaben in einen gesellschaftlichen Zusammenhang. Familienhotels böten etwas, das Eltern im Alltag häufig fehle, und würden deshalb nicht nur als Unterkunft, sondern auch als Ausdruck von Lebensstil und Zugehörigkeit wahrgenommen.
Infobox: WELT beschreibt Familienhotels als Statussymbol für gutverdienende Familien und nennt 1000 Euro pro Nacht als Preis für den Urlaub in einem Familienhotel.
Masern-Impfung verweigert: Eltern müssen vor Gericht
Quelle: HNA
Ein Elternpaar aus Bad Wildungen sollte ein Bußgeld in Höhe von 800 Euro zahlen, weil es die gesetzlich vorgeschriebene Masern-Impfung für seine Kinder verweigert hatte. Gegen den Bescheid legte das Ehepaar Einspruch ein; der Fall wurde nun mündlich vor dem Amtsgericht Fritzlar verhandelt.
Am ersten Verhandlungstag fiel keine Entscheidung. Richterin Corinna Eichler beschloss, dass ein medizinischer Sachverständiger den Fall prüfen soll. Nach dessen Stellungnahme soll die Verhandlung fortgesetzt werden, ein neuer Termin steht noch nicht fest.
Die Eltern erklärten laut HNA, sie hätten aus Sorge um die Gesundheit ihrer Kinder auf die Impfung verzichtet. Ihrer Meinung nach beeinträchtige die Impfung die Gesundheit der Kinder, auch weil es „nur einen Körper-Infektionsimpfstoff gibt und keinen Einzel-Impfstoff für Masern für Kinder“.
Die Bedenken hatten die Eltern dem Kreisgesundheitsamt im Jahr 2023 mitgeteilt. Die Mutter berief sich dabei auf die Studie einer Universität, legte dem Amt anschließend jedoch keine weiteren Informationen vor. Ein Bediensteter des Kreisgesundheitsamtes informierte das Gericht über den Bußgeldbescheid und das Infektionsschutzgesetz.
Die Mutter kündigte an, sich nun von einem Kinderarzt beraten zu lassen. Die Richterin erklärte, der Einspruch könne danach immer noch zurückgenommen werden.
Der Wildunger Kinder- und Jugendarzt Dr. Martin Bauer bezeichnet Impfungen als „einen Segen“. Er warnt davor, Masern zu verharmlosen, und erklärt, dass jeder tausendste kleine Patient, der an Masern erkranke, die Infektion nicht überlebe.
„Masern schwächen das Immunsystem über Jahre hinweg und öffnen die Tore für weitere, gefährliche, ja tödliche Krankheiten“, sagt Dr. Martin Bauer laut HNA.
In Deutschland wird laut dem Beitrag entweder eine Dreifach-Kombination Masern/Mumps/Röteln oder ein Vierfach-Impfstoff unter Einschluss von Windpocken eingesetzt. Ein Einzelimpfstoff gegen Masern sei in Europa nicht mehr zugelassen. Die WHO rate von Einzelimpfstoffen ab, weil sie die Impfquoten senkten.
Infobox: Das Amtsgericht Fritzlar vertagt die Entscheidung über ein Bußgeld von 800 Euro. Ein medizinischer Sachverständiger soll die Einwände der Eltern gegen die Masern-Impfung prüfen.
Wenn psychisch kranke Eltern den Schulalltag ihrer Kinder prägen
Quelle: News4teachers
News4teachers berichtet darüber, wie Kinder psychisch erkrankter Eltern in Kita und Schule belastet sein können. Manche Kinder ziehen sich zurück, andere reagieren aggressiv oder versuchen, möglichst keine Probleme zu verursachen.
Die Wissenschaftlerin Annika Schunke verweist auf Studien des Deutschen Jugendinstituts, wonach rund ein Viertel aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland mit einem psychisch kranken Elternteil zusammenlebt. Damit könnten Kinder mit entsprechenden Erfahrungen zum Alltag vieler Schulen gehören.
Nach den im Beitrag genannten Studien haben Kinder psychisch kranker Eltern im Vergleich zu Kindern gesunder Eltern ein drei- bis siebenmal höheres Risiko, im Laufe ihres Lebens selbst psychisch zu erkranken. Als zusätzliche Belastungen werden unter anderem finanzielle Probleme und soziale Isolation genannt.
Professor Michael Kölch warnt jedoch vor einfachen Zuordnungen. Entscheidend sei, wie stark und wie lange Eltern in ihren Beziehungskompetenzen eingeschränkt seien. Eine schwere, langjährige Suchterkrankung könne Kinder anders belasten als eine milde und zeitlich begrenzte depressive Episode.
„Es kommt auf die Ausprägung an. Also darauf, wie stark und wie lange Eltern in ihren Beziehungskompetenzen eingeschränkt sind“, sagt Professor Michael Kölch laut News4teachers.
Bestimmte Verhaltensweisen können laut Sabine Wagenblass Hinweise auf eine starke Belastung geben. Dazu gehörten Kinder, die ständig Probleme in ihrem Umfeld lösen wollten, als „Clown“ für gute Stimmung sorgten, aggressiv reagierten oder besonders still und unauffällig blieben.
Eine besondere Belastung sei die sogenannte Parentifizierung. Dabei übernähmen Kinder Aufgaben und Verantwortung, die eigentlich bei Erwachsenen liegen müssten. Für betroffene Kinder bedeute dies eine hochgradige Überforderung, unter der die kindliche Entwicklung leiden könne.
Der Beitrag betont, dass nicht nur auffällige Kinder Unterstützung benötigen. Auch Kinder, die immer funktionieren, sich um andere kümmern und niemals Schwierigkeiten bereiten, könnten eine Verantwortung tragen, die ihrem Alter nicht entspreche.
Viele Familien sprächen nur selten über die psychische Erkrankung. Scham und Angst vor Stigmatisierung könnten dazu führen, dass Kinder mit ihren Erfahrungen allein blieben. Hinzu kämen Sorgen um das erkrankte Elternteil, die Zukunft der Familie und die Frage, ob sie selbst ebenfalls psychisch erkranken könnten.
Das Deutsche Jugendinstitut beschreibt zudem eine Lücke bei professioneller Hilfe. In einer Untersuchung befand sich ein Drittel der teilnehmenden psychisch belasteten Eltern selbst in psychologischer Behandlung. Bei nur knapp acht Prozent dieser Eltern waren die ebenfalls auffälligen Kinder und Jugendlichen in Psychotherapie.
Als Gründe nennt der Beitrag fehlendes Wissen über geeignete Angebote, Angst vor Stigmatisierung, Sorgen vor einer Trennung vom Kind oder einem möglichen Sorgerechtsentzug sowie Vorbehalte gegenüber dem Jugendamt. Auch unterschiedliche Zuständigkeiten, verschiedene Sozialgesetzbücher und bürokratische Antragsverfahren könnten den Zugang erschweren.
Schulen und Kitas gewinnen dadurch an Bedeutung. Jörg Backes vom Nationalen Zentrum Frühe Hilfen nennt eine gute Betreuung in Kitas und Schulen als Möglichkeit, betroffenen Kindern Entlastung zu geben. Auch Freizeitangebote und der Kontakt zu Gleichaltrigen seien wichtig.
Schule könne keine Therapie ersetzen, aber Verlässlichkeit bieten. Geregelte Abläufe, stabile Beziehungen und ein Alltag, in dem das Kind nicht für das Funktionieren der Familie verantwortlich sei, könnten Halt geben.
„Kinder haben so feine Antennen, sie merken sowieso, dass etwas nicht stimmt“, sagt Professor Michael Kölch laut News4teachers.
Infobox: Rund ein Viertel aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland lebt laut dem Beitrag mit einem psychisch kranken Elternteil zusammen. Schulen und Kitas können durch verlässliche Beziehungen und stabile Strukturen Entlastung und Halt geben.
Quellen:
- Zwei Eltern, null Plan: Ein Kampf um Leben und Displays
- Marius Dick: Zu Besuch bei den Eltern des getöteten Studenten in Trier
- Abschied von den Eltern: „Ich ahnte, das ist das letzte Foto von euch“
- Averbeck und Co: +SA+PLUS+Warum Eltern heute 1000 Euro pro Nacht für Urlaub im Familienhotel zahlen
- Eltern verweigern Masern-Impfung für ihre Kinder – jetzt müssen sie vor Gericht
- Verhaltensauffällig, weil Eltern psychisch krank sind: Wie Schulen Kindern Halt geben














