Inhaltsverzeichnis:
Familien im Fokus: Streit über Erziehung, staatliche Unterstützung und digitale Bildung
Streichelzoo: Wie Erwachsene mit fremden Kindern umgehen sollten
Ein Vorfall in einem Streichelzoo hat im Elternforum der Online-Plattform Reddit eine kontroverse Debatte ausgelöst. Eine Mutter schilderte, dass ein etwa achtjähriger Junge nach einer Ente getreten habe, die ihm offenbar nicht schnell genug aus dem Weg gegangen sei. Die Schwester der Mutter habe den Jungen ruhig darauf hingewiesen: „Hey, man darf keine Tiere treten.“
Die Mutter des Jungen habe daraufhin verlangt, dass ihr Kind nicht von anderen Erwachsenen gemaßregelt werde. In den Kommentaren reichten die Reaktionen von Zustimmung bis zu scharfer Kritik. Ein Vater erklärte, er finde es grundsätzlich in Ordnung, wenn andere Erwachsene Kinder respektvoll, verbal und ohne Drohungen oder Einschüchterung auf ein Fehlverhalten hinweisen.
Die Familientherapeutin Dorothea Jung, fachliche Leiterin der Online-Beratung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung, rät laut Frankfurter Rundschau zu einer erklärenden statt vorwurfsvollen Ansprache. Statt einem Kind lediglich zu sagen, was es nicht tun soll, sollten Erwachsene erläutern, welche Folgen die Handlung hat und was das Kind stattdessen tun kann.
„Prinzipiell ist es besser, wenn man Kindern nicht sagt, was sie nicht tun sollen, sondern was sie stattdessen tun können“, erklärt Dorothea Jung laut Frankfurter Rundschau.
Vor einem Eingreifen sollten Erwachsene laut Jung kurz innehalten und das Alter des Kindes berücksichtigen. Je jünger ein Kind sei, desto eher brauche es eine erklärende Haltung statt einer Erwartungshaltung. Bei älteren Kindern könne man deutlicher werden.
Die Therapeutin empfiehlt außerdem, zunächst die Eltern anzusprechen. Es sei möglich, dass diese den Vorfall nicht bemerkt hätten oder abgelenkt seien. Erst wenn die Eltern nicht eingreifen oder nicht in der Nähe seien, sollten sich andere Erwachsene direkt an das Kind wenden. Bei Konflikten zwischen mehreren Kindern solle nicht ein einzelnes Kind herausgegriffen, sondern die gesamte Gruppe angesprochen werden.
- Eltern zunächst ansprechen, wenn sie den Vorfall möglicherweise nicht bemerkt haben.
- Bei jüngeren Kindern erklärend und orientierend vorgehen.
- Freundlich bleiben, Ich-Botschaften nutzen und die Folgen einer Handlung erläutern.
- Bei Gruppenkonflikten alle beteiligten Kinder ansprechen.
Infobox: Die wichtigste Empfehlung der Expertin lautet, bei Gefahr für Kinder, andere Kinder oder Tiere einzugreifen, dabei jedoch respektvoll, freundlich und erklärend vorzugehen. Die Vorbildfunktion der Erwachsenen bleibe für Kinder besonders wichtig.
Quelle: Frankfurter Rundschau
AfD-Plan für Baby-Begrüßungsgeld sorgt für verfassungsrechtliche Kritik
Die AfD in Sachsen-Anhalt plant ein Baby-Begrüßungsgeld, das nur Familien mit mindestens einem deutschen Elternteil zugutekommen soll. Der Vorstoß wird von Verfassungsrechtlern als nicht mit dem Grundgesetz vereinbar bewertet und hat die Debatte über ein mögliches AfD-Verbotsverfahren erneut angeheizt.
Im Wahlprogramm der AfD Sachsen-Anhalt ist laut WELT ein Baby-Begrüßungsgeld in Höhe von 2000 Euro für die ersten beiden Kinder und von 4000 Euro für jedes weitere Kind vorgesehen. Voraussetzung sollen die deutsche Staatsbürgerschaft mindestens eines Elternteils sowie ein fester Erstwohnsitz beider Eltern in Sachsen-Anhalt seit mindestens einem Jahr sein.
Die erste Hälfte des Betrags soll nach der angezeigten Geburt ausgezahlt werden, die andere Hälfte zum vollendeten dritten Lebensjahr des Kindes. Für die zweite Auszahlung soll die Teilnahme an den empfohlenen medizinischen Vorsorgeuntersuchungen U1 bis U7a Voraussetzung sein, allerdings ohne Bewertung des Impfstatus.
| Vorgesehene Leistung | Voraussetzung |
|---|---|
| 2000 Euro für die ersten beiden Kinder | Deutsche Staatsbürgerschaft mindestens eines Elternteils und fester Erstwohnsitz beider Eltern in Sachsen-Anhalt seit mindestens einem Jahr |
| 4000 Euro für jedes weitere Kind | Deutsche Staatsbürgerschaft mindestens eines Elternteils und fester Erstwohnsitz beider Eltern in Sachsen-Anhalt seit mindestens einem Jahr |
| Zweite Hälfte der Auszahlung | Teilnahme an den empfohlenen medizinischen Vorsorgeuntersuchungen U1 bis U7a ohne Bewertung des Impfstatus |
Die Verfassungsrechtlerin Frauke Brosius-Gersdorf sprach laut WELT von einem deutlichen verfassungsrechtlichen Störgefühl und bezeichnete den Ausschluss von Kindern von Migranten als Verfassungsverstoß. Ehe und Familie stünden grundsätzlich unter dem Schutz des Grundgesetzes, und dieser Schutz gelte für alle Familien.
„Familie ist da, wo mindestens ein Elternteil und ein Kind ist. Diese stehen alle gleichermaßen unter dem Schutz unserer Verfassung“, sagte Frauke Brosius-Gersdorf laut WELT.
Auch Tarik Tabbara, Professor für Öffentliches Recht an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin, hält eine solche Regelung für problematisch. Ein Baby-Begrüßungsgeld nur deutschen Eltern zu gewähren, wäre nach seiner Einschätzung ein klarer Verstoß gegen das Europarecht und mit dem Grundgesetz nicht vereinbar.
Das EU-Recht verbiete die Diskriminierung von Unionsbürgern gegenüber eigenen Staatsangehörigen, gerade auch bei Familienleistungen. Eine Unterscheidung nach der Staatsangehörigkeit sei nur unter besonders strengen Voraussetzungen zulässig, etwa wenn ein Zusammenhang zwischen der Leistung und dem Aufenthaltsstatus bestehe. Bei einer Geldleistung zur Unterstützung von Familien sei dieser Zusammenhang laut Tabbara nicht gegeben.
Die AfD weist die Kritik zurück. Der AfD-Rechtspolitiker Stephan Brandner bezeichnete die Einwände von Brosius-Gersdorf laut WELT als juristischen Unsinn und erklärte, die AfD vertrete keine Forderungen, die dem Grundgesetz widersprächen.
Parallel zur Debatte über das Baby-Begrüßungsgeld wird über ein mögliches Parteiverbotsverfahren diskutiert. Laut einer Insa-Umfrage für „Bild“ sprachen sich Anfang Juli 40 Prozent der Befragten für ein solches Verfahren aus. Frauke Brosius-Gersdorf betonte jedoch, einzelne verfassungswidrige Forderungen bedeuteten nicht automatisch, dass ein Parteiverbot gerechtfertigt sei; dafür müsse eine charakteristische verfassungsfeindliche Gesamttendenz belegt werden.
Infobox: Die AfD Sachsen-Anhalt plant 2000 Euro für die ersten beiden Kinder und 4000 Euro für jedes weitere Kind. Verfassungsrechtler kritisieren insbesondere die geplante Begrenzung auf Familien mit mindestens einem deutschen Elternteil.
Quelle: WELT
Pflegefamilien fehlen, während über andere Wege zum Kinderwunsch gestritten wird
In Deutschland brauchen zahlreiche Kinder Schutz und verlässliche Betreuung außerhalb ihrer Herkunftsfamilie. Die FAZ lenkt den Blick auf Pflegefamilien und kritisiert, dass diese Möglichkeit, Eltern zu werden, in der öffentlichen Debatte über Kinderwunsch und Leihmutterschaft kaum vorkomme.
Nach den vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Zahlen für 2025 waren rund 57.000 Kinder und Jugendliche in Obhut genommen worden. Die Zahl lag damit unter den Werten für 2024 und 2023. Laut FAZ ist dieser Rückgang jedoch vor allem auf weniger unbegleitet eingereiste Minderjährige zurückzuführen.
Werden diese Fälle herausgerechnet, zeigt sich dem Artikel zufolge ein anderes Bild. Die Zahl der dringenden Kindeswohlgefährdungen sei weiter gestiegen, ebenso die Selbstmeldungen verzweifelter Jugendlicher. Besonders körperliche und psychische Misshandlungen hätten zugenommen, vor allem bei Mädchen.
Auch der Blick auf die vergangenen zwanzig Jahre zeige eine steigende Entwicklung, wenn unbegleitet eingereiste Minderjährige herausgerechnet würden. Immer mehr Kinder müssten in Deutschland vor der eigenen Familie geschützt werden.
| Bereich | Angabe aus der Quelle |
|---|---|
| In Obhut genommene Kinder und Jugendliche 2025 | rund 57.000 |
| Kinder und Jugendliche außerhalb ihrer Familie 2024 | rund 221.500 |
| Fehlende Pflegefamilien pro Jahr | mindestens 4000 |
| Bewerber pro Adoptivkind | rund vier |
2024 wuchsen laut FAZ rund 221.500 Säuglinge, Kleinkinder und Jugendliche zumindest zeitweise außerhalb ihrer Familie in Heimen oder bei Pflegefamilien auf. Pflegefamilien könnten Kindern, wenn die Unterbringung auf Dauer angelegt sei, verlässliche Bindungen ermöglichen.
Nach Schätzungen des Bundesverbands der Pflege- und Adoptivfamilien fehlen jedes Jahr mindestens 4000 Pflegefamilien. Auf ein Adoptivkind kommen hingegen rund vier Bewerber. Der Artikel sieht darin ein deutliches Missverhältnis zwischen dem Bedarf an Pflegefamilien und der Zahl der Menschen, die sich für eine Adoption interessieren.
Pflegekinder würden häufig als traumatisiert, krank oder verhaltensauffällig wahrgenommen. Diese Vorstellung könne abschreckend wirken, obwohl viele positive Entwicklungen von Kindern in Pflegefamilien öffentlich kaum erzählt würden. Aus Sicht der FAZ müsse die Politik deshalb daran arbeiten, die Attraktivität der Pflegefamilie zu erhöhen und Pflegeelternschaft sichtbarer zu machen.
Obwohl die rot-schwarze Regierung im Koalitionsvertrag versprochen habe, die Rechte von Pflegeeltern zu stärken und ein Elterngeld für sie einzuführen, seien Pflegeeltern im aktuellen Entwurf zur Elterngeldreform nicht als Leistungsberechtigte erwähnt. Auch das geplante Kindschaftsrechtsmodernisierungsgesetz bleibe nach Einschätzung mehrerer Pflegekinder-Verbände hinter den Erwartungen zurück.
Infobox: 2025 wurden rund 57.000 Kinder und Jugendliche in Obhut genommen. Gleichzeitig fehlen laut Bundesverband jedes Jahr mindestens 4000 Pflegefamilien, während auf ein Adoptivkind rund vier Bewerber kommen.
Quelle: FAZ
Familienpolitik: SZ kritisiert Sparpläne der Bundesregierung
Die Süddeutsche Zeitung stellt in ihrem Familien-Newsletter die Belastungen durch Care-Arbeit, Mental Load und familienpolitische Sparpläne in den Mittelpunkt. Eltern bräuchten nicht nur wegen der Kinder und der nicht endenden Care-Arbeit gute Nerven, sondern auch wegen der Entscheidungen der Bundesregierung.
Care-Arbeit werde von vielen Eltern, besonders von Müttern, als belastend und wenig gesehen erlebt. Der Newsletter verweist zugleich auf die Sorge, dass das Reden über die anstrengenden Seiten der Familienarbeit gesellschaftspolitische Folgen haben könne. So bestehe die Befürchtung, der Eltern-Job werde dadurch nicht attraktiv genug, um Väter stärker einzubeziehen.
Die SZ betont außerdem, dass Kinder nicht nur als künftige Beitragszahler betrachtet werden sollten. Ihre Energie und Unbeschwertheit hielten das Land mit am Laufen und könnten im Alltag dazu beitragen, die Strapazen der Familienarbeit zeitweise vergessen zu lassen.
Besonders kritisch bewertet der Newsletter die Sparpläne der Bundesregierung in der Familienpolitik. Gespart werden solle unter anderem bei Alleinerziehenden und ihren Kindern. Als Beispiel wird eine Familie genannt, die auf den staatlichen Unterhaltsvorschuss angewiesen sei, weil die Mutter den Unterhalt für das gemeinsame Kind nicht bezahlen könne.
Dieses Geld wolle die Bundesregierung der Familie bald streichen. Das Politik-Ressort der Süddeutschen Zeitung kündigt außerdem eine Serie an, in der Reformvorhaben der Bundesregierung erklärt und ihre Folgen für Familien aufgezeigt werden sollen.
„Eltern brauchen gute Nerven“, lautet die zentrale Botschaft des Newsletters der Süddeutschen Zeitung.
Infobox: Die SZ verbindet die Belastung durch Care-Arbeit und Mental Load mit Kritik an den familienpolitischen Sparplänen. Besonders Alleinerziehende und ihre Kinder werden als von möglichen Kürzungen betroffen beschrieben.
Quelle: SZ.de
Eltern und Schulen in Bayern protestieren gegen Smartphones und Tablet-Pflicht
In Bayern formiert sich Widerstand gegen die zunehmende Digitalisierung an Schulen. Der Merkur berichtet über eine Petition gegen den Tablet-Zwang in Brannenburg im Kreis Rosenheim und über großes Interesse an smartphonefreien fünften Klassen am Gymnasium Herrsching im Kreis Starnberg.
Die beiden Initiativen seien unabhängig voneinander entstanden. Während eine Mutter in Brannenburg gegen die Pflicht zum Kauf von Tablets für den Unterricht vorgeht, meldeten sich in Herrsching zum Ende des Schuljahrs besonders viele Familien für neu angebotene „smartphonefreie“ fünfte Klassen an.
Die bayerische Pflicht zum Kauf von Tablets für Achtklässler gilt laut Merkur seit 2025. Der ursprüngliche Plan habe vorgesehen, dass Schülerinnen und Schüler aller weiterführenden Schulen bereits ab der 5. Klasse ein Tablet kaufen müssten. Ministerpräsident Markus Söder habe den Plan später hinausgeschoben.
Elisabeth Soldner, Mutter zweier Söhne, fordert in einer Petition ein Ende des iPad-Zwangs an Bayerns Schulen. Sie wünscht sich, dass die Einführung von Tablets möglicherweise bis zur 10. oder 11. Klasse verschoben wird. An der Realschule im Landkreis Rosenheim, die ihr jüngerer Sohn besucht, sei das iPad bereits im zweiten Halbjahr der 7. Klasse eingeführt worden.
Soldner beobachte seitdem nach eigener Einschätzung nachlassende Schulleistungen ihres Sohnes. Trotz technischer Sperren würden Kinder Wege finden, diese zu umgehen. Sogar im Unterricht werde Minecraft gespielt, schreibt sie in ihrem Petitionstext.
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Aufgaben der Lehrkräfte. Diese müssten wertvolle Unterrichtszeit für die digitale Überwachung aufwenden, statt zu unterrichten. Außerdem verweist Soldner auf wissenschaftlich bewiesene Qualitätsverluste beim Lernen und berichtet, das Schriftbild ihres Sohnes habe sich durch das Schreiben mit einem Apple Pencil verschlechtert.
- In Brannenburg richtet sich eine Petition gegen den Tablet-Zwang.
- In Herrsching stoßen smartphonefreie fünfte Klassen auf großes Interesse.
- Die Tablet-Pflicht für Achtklässler gilt laut Merkur seit 2025.
- Als Kritikpunkte werden Ablenkung, digitale Überwachung und Qualitätsverluste beim Lernen genannt.
Infobox: Der Streit dreht sich um die Frage, wie früh digitale Geräte verbindlich im Unterricht eingesetzt werden sollen. Eltern kritisieren insbesondere Ablenkung, Kontrollaufwand und mögliche Nachteile für das Lernen.
Quelle: Merkur
Quellen:
- Verhalten von Mutter im Streichelzoo löst bei Eltern Empörung aus
- „Baby-Begrüßungsgeld nur für deutsche Eltern wäre mit dem Grundgesetz nicht vereinbar“
- Pflegekinder aufzunehmen ist ein Weg, ohne Leihmutter Eltern zu sein
- Familienpolitik: Eltern brauchen gute Nerven
- „Das ist doch unfassbar“: Eltern und Schulen rebellieren gegen Smartphones und Bayerns Tablet-Pflicht
- Kronacher Erziehungsberatung: Eltern und Kinder sind zunehmend überfordert













